Eure Kinderwunsch-Geschichte VII: 27 Schwangerschaftsverkündungen und Geburten von anderen, 3 ICSI’s, 4 Kryo-Zyklen, 3 Fehlgeburten und viele dunkle Stunden

Ein Text von einer Leserin, die gern anonym bleiben möchte. Sie schreibt als Wunder geschehen leise einen Blog. Vielen Dank für deine Zeilen!

Es ist Juni 2013, 2 Wochen nach unserer Hochzeit und ich sitze da und weine, denn ich weiß:
Ich kann keine Kinder bekommen. WIR können keine Kinder bekommen.

Geschrieben sind es nur ein paar Worte, gesprochen bedeutet es schon erheblich mehr. Gefühlt ist es das Ende der Welt. Es ist ein Zustand, der für die einen vielleicht gar nichts so Erwähnenswertes ist, für die anderen einfach bloß ein weiterer Grund über uns zu tratschen und nur für ein paar sehr wenige Menschen  die gleiche unbeschreiblich schmerzliche Katastrophe wie für uns.

Die Tränen, die Gebete und Verhandlungen mit Gott sind ungezählt. Die Vorwürfe, flehenden Hilferufe und stummen Gespräche mit dem Allmächtigen sind Alltag. Irgendwer muss doch was tun können? Ich bin nicht gläubig, aber so oft ist Gott jetzt mein Ansprechpartner. Denn, wieso? Warum kann so etwas sein? Warum passiert das uns? Und so kann die Gedankenspirale endlos weitergehen… Manchmal ist die leichte Unbeschwertheit des Alltags dann genau das, was man als Ablenkung braucht. Oft ist sie nur wie eine Art schönes Kleidungsstück, das die unliebsamen Stellen kaschiert und das man abends wieder auszieht bevor man ins Bett geht.
Man versucht einfach einen Tag nach dem anderen hinter sich zu bringen. Im  Hinterkopf hat man immer das nagende Gefühl des Versagens und in der Brust schlägt leise das eigene Herz, notdürftig geflickt für den Alltag. Jeder kleine Erfolg in der Kinderwunschklinik, jedes positive Testergebnis ist ein riesiger Lichtblick. Jede misslungene ICSI oder jeder erfolglose Kryo-Transfer ist ein Weltuntergang.

Wir nehmen es so gut es geht mit Humor, reisen, gehen aus und sind zusammen stark. Wir sind auch zusammen schwach, weinen in dunklen Nächten und halten uns einfach nur aneinander fest. Wir reden mit Ärzten, ergründen Ursachen für unsere 3 Fehlgeburten und finden... nichts. Wir machen Pausen zwischen den Versuchen, um uns nicht zu verlieren. Die Trauer nach den Fehlgeburten frisst mich auf, die Ärzte in Deutschland sind ratlos.

Wir haben so viele Medikamentenpläne gewälzt, so viele Hormonspritzen an unmöglichen Orten gesetzt, so viel Geld ausgegeben. Und wofür? Wir stehen genauso kinderlos da wie vorher. Unser letzter Weg geht nach Österreich. Dort starten wir den allerletzten Versuch. Finanziell und körperlich gesehen möchte ich danach einfach nicht mehr. Ich fühle mich dort sofort sehr verstanden, als Frau wahrgenommen und bin seit 6 Jahren Kinderwunschzeit endlich wieder ganz bei mir. Ich fühle eine innere Ruhe bei den Planungen und auf einmal eine nie gekannte unglaubliche  Zuversicht. Ich bin ruhig und gefasst, auf alles was kommt. Zweifel und Ängste habe ich plötzlich keine mehr. Schon beim Transfer sagte ich meinem Mann: „Jetzt sind wir Eltern“! 


35 Wochen später halten wir im Sommer 2020 nach einigen Höhen und Tiefen der Schwangerschaft, tiefen (Verlust)-Ängsten, Corona-Änderungen und tausend Grübeleien unser kerngesundes Wunder in den Armen. Und wir können es immer noch nicht fassen!

Nach 7 Jahren kinderlos am Rande vieler Kaffeetische voll mit Muttis von 1-4 Kindern fühlte ich mich immer so komplett fehl am Platz. Ich war die komische Kinderlose mit Karriere und eben nicht mit den anderen K’s: : Kochen, Kinder, Kacka. Ich konnte nicht mehr mitreden.
Mein Wunsch nach einem Kind war immer da, vielmehr UNSER Wunsch, denn es gehören ja zwei dazu. Aber dass es 27 erfolgreiche Schwangerschaftsverkündungen und Geburten von anderen, 3 ICSI’s, 4 Kryo-Zyklen, 3 Fehlgeburten und viele dunkle Stunden emotional zu erleben gab,  bis wir unser eigenes Wunder bekommen durften, war ein langer, schmerzhafter Weg. Er hat sich für uns jetzt letzten Endes gelohnt und wird mich immer zu dem empathischen Menschen machen, der ich nun bin.

Du, die du das grade liest! Egal in welcher Phase des Kinderwunsches du steckst, ob bereits erfüllt oder noch mittendrin - DU bist wundervoll! Nimm das Leben wie es kommt, aber nimm es nicht zu schwer! Gib die Hoffnung niemals auf! Das sollen keine Klischee-Sprüche sein, sondern die positive Bestärkung für dich, dass sich alles lohnt und man nur daran wachsen kann!

Update am 26.02.2021: Mein Mann hat uns nämlich komplett überraschend an dem Tag, an dem mein Sohn 8 Monate war, kommentarlos verlassen. Das macht sicherlich keinen Mut in Bezug auf die Kinderwunschgeschichte, aber es zeigt, dass Beziehungen auch nach einem Happy End zerbrechen können. Man kann noch soviel gemeinsam schaffen, dass man dann am Ende das Glück doch nicht zusammen genießen darf. Der Schock über die Situation sitzt unendlich tief und es tut noch so viel mehr weh, dass unser Sohn nun Einzelkind bleiben wird. Ich möchte und kann mich mit einer zweiten Schwangerschaft definitiv nie mehr auseinander setzen, da nun noch mehr Ängste eine Rolle spielen würden. Mein Sohn ist aktuell mein „Anker“ und die Quelle meiner täglich Kraft. Ich hoffe, dass er in Zukunft jede Sekunde stolz auf mich sein kann. 

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Das wird er. Wer gerne mit Wunder geschehen leise Kontakt aufnehmen möchte, der melde sich gern bei ihr via wundergeschehenleise@web.de.