Eure Kinderwunsch-Geschichte III: Zwei Happy Ends. Beide mit ganz viel Geduld und Tränen, eins zusätzlich durch künstliche Befruchtung.

Ein Text von einer Leserin, die gern anonym bleiben möchte:

„Die Hoffnung ist es, die die Liebe nährt.“ (Ovid)

Im Frühsommer 2014 begann unser Weg. Unser Weg mit dem Ziel, eine Familie zu gründen. Wir waren jung, frisch verheiratet, sportlich, gesund und bereit für ein Leben zu Dritt. Das sollte doch recht schnell klappen, so wie bei allen anderen auch, war da noch unser Gedanke. Ich setzte die Pille nach vielen Jahren ab und die Empfehlung der Schwiegermutter lautete: „Ach, da fahrt ihr mal ein Wochenende ans Meer und macht euch eine schöne Zeit, dann seid ihr schneller zu Dritt, als ihr gucken könnt.“

Happy End I

Mein Zyklus war unregelmäßig, ich half mit allerlei Homöopathie nach, um ihn nach den vielen Jahren der Hormoneinnahme wieder ins Gleichgewicht zu bringen und wartete Monat für Monat auf den zweiten Strich. Doch der Schwangerschaftstest war immer wieder negativ, mein Zyklus unendlich lang und sehr unregelmäßig. Nach neun, gefühlt unendlichen Monaten ging ich zu meiner Frauenärztin & sie riet mir zu mehr Geduld. Ein bis zwei Jahre Wartezeit seien noch völlig normal.

Im Sommer 2015, ich war immer noch nicht schwanger, erreichte uns eine Nachricht, die uns wirklich traurig machte: „Ihr werdet Onkel und Tante! Es war ungeplant, aber naja, so schnell kann es gehen.“

Ich fühle mich bis heute schlecht, dass ich mich damals nicht freuen konnte. Ich war froh, dass uns die Nachricht am Telefon mitgeteilt wurde und ich mich so schnell unbemerkt für mehrere Tage weinend im Bett verkriechen konnte. Ich dachte an diesem Tag erstmals über einen Weg in die Kinderwunschklinik nach und redete mit meinem Mann offen darüber. Er ging daraufhin selbstständig zum Urologen und ließ ein Spermiogramm anfertigen. „Unauffällig. Haben Sie Geduld“, lautete auch hier die Empfehlung. Also übten wir uns in Geduld, konnten erstmals etwas Abstand von diesem sehnlichen Wunsch nehmen und wurden, zwischen Umzugschaos und Sorgen um meine Eltern, überrascht von einem zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest. Wir konnten nicht glücklicher sein und kamen zu der Einsicht, dass wir wohl einfach zu unentspannt waren. Auch, wenn sich das leicht sagen lässt. Im Sommer 2016 kam unser gesundes Kind zur Welt. Wir waren so dankbar und überglücklich.

Happy End II


Gut anderthalb Jahre nach der Geburt kam der Wunsch auf, dass wir gern ein weiteres Kind bekommen würden. Ein Abstand von 2-3 Jahren wäre doch schön. Also ließ ich mir im Oktober 2017 die Kupferspirale, die ich mir nach der Geburt einsetzen gelassen habe, wieder entfernen. Natürlich in der Hoffnung, dass es diesmal schneller gehen würde. Schließlich war mein Körper nun schon lange hormonfrei und darin geübt, ein Kind zu schaffen. Ich war beseelt, dass wir ohne jegliches Zutun ein Kind bekommen konnten und war nun wirklich sehr entspannt.

Diesmal würde es schneller gehen, da war ich mir sicher. Monat um Monat verstrich und mit jedem weiteren verstrichenen Monat wurde ich unsicherer. Ich begann zu rechnen, wie groß der Altersabstand der Kinder inzwischen wäre, wenn ich denn diesen Monat endlich (!) schwanger werden würde. Wieder suchte ich das Gespräch mit dem Frauenarzt, den ich inzwischen gewechselt hatte.

Zyklustracking stand jetzt auf dem Plan. Mehrmals während eines Zyklus kam ich zu ihm, um via Ultraschall die Reifung meiner Follikel und den Hormonspiegel im Blut überprüfen zu lassen. Nach zwei Monaten kam er zu dem Entschluss, dass meine Follikel nicht ideal reifen würden, dies aber kein Hindernis für eine Schwangerschaft sei. Denn was genau ist schon ideal? Ich begann Clomifen einzunehmen. Tabletten, die ich ab einem bestimmten Tag des Zyklus einnehmen musste, um die Reifung der Follikel anzukurbeln. Auch das wurde engmaschig via Ultraschall und Blutuntersuchungen überwacht. Ich fühlte mich schrecklich. Ich nahm in den Monaten dieser Behandlung 10-15 kg zu, war aufgeschwemmt, psychisch am Rande der Belastbarkeit und hatte ein unendlich starkes Ziehen im Unterleib. Teilweise musste ich jeden zweiten Tag in die Praxis, um den Eisprung nicht zu verpassen und so Sex nach Plan haben zu können. Ich konnte nicht mehr.

Ich hab mich immer mehr verloren und unsere Beziehung litt sehr darunter. Mein Mann, der immer an meiner Seite war, verzweifelte immer mehr daran. Zu Sehen, wie es mir ging, wie sehr ich körperlich und seelisch litt. In den Monaten zwischen den Behandlungen mit Clomifen (man darf die Tabletten nur in drei aufeinanderfolgenden Zyklen einnehmen und muss dann eine längere Pause einlegen) konnte ich auch immer weniger abschalten. Mein Leben, dass doch so erfüllt mit unserem ersten Kind war, konnte ich immer weniger genießen und bewusst wahrnehmen. Es drehte sich alles nur um diesen unerfüllten Wunsch.


Mein Mann konnte es nicht mehr mit ansehen, rief in einer Kinderwunschklinik in der Nähe an und vereinbarte einen Beratungstermin.


Bereits zwei Wochen später saßen wir schweißgebadet im Wartezimmer. Doch es war anders. Erstmals wusste ich, dass wir mit allen anderen in diesem Raum im selben Boot saßen.

Wusste, dass keiner gleich tränenüberströmt reingerannt kommen kann mit den Worten: „Scheiße, ich bin schwanger. Wieso muss das ausgerechnet mir passieren?“. Stattdessen fühlten wir uns von dem netten Arzt verstanden, mit unseren Ängsten und Sorgen nicht allein gelassen. Untersuchungen von uns Beiden folgten, daraufhin ein erneuter Termin mit Besprechung des Behandlungsplanes, den der Arzt auf Basis der Ergebnisse erstellen würde. Wir fuhren mit einem guten Gefühl nach Hause und mussten gar nicht mehr darüber reden, wie unser Weg zum Wunschkind weitergehen würde.

Der nächste Termin folgte - meine Follikel würden zwar reifen, aber einfach langsamer. Dadurch sei mein Zyklus sehr lang und schwerer einzuschätzen . Mein Mann könnte Kinder zeugen, aber eben mit einer etwas niedrigeren „Trefferquote“ als der Durchschnitt. Endlich wussten wir woran wir waren. Die Kombi dieser Diagnosen machte es uns einfach so schwer schwanger zu werden, aber es war weiterhin möglich. Wenn wir noch warten würden, würde ich auch wieder auf „normalem“ Weg schwanger werden. Aber wann das sei, könne er uns nicht beantworten.

Er empfahl uns daraufhin den Weg einer intaurinen Insemination, den absolut mildesten Weg der künstlichen Befruchtung und meinte, dass ich sicher nach spätestens drei Behandlungszyklen schwanger sei. Papierkram mit den Krankenkassen folgte. Alles ging sehr rasch, sodass wir bereits drei Wochen später beginnen konnten. Ich musste keine Hormone einnehmen, denn der Zyklus wurde einfach wieder via Ultraschall und Blutuntersuchung überwacht.

Als der Tag da war an dem gleich zwei Follikel reif waren, rief ich meinen Mann auf der Arbeit an und sagte freudestrahlend: „Heute ist es soweit“. Ich erhielt eine Spritze in den Bauch, die den Eisprung auslösen sollte. Mein Mann musste erneut eine Spermienprobe abgeben. Diese wurde dann aufbereitet. Das heißt vereinfacht gesagt, dass zu langsame und nicht ideal geformte Spermien aussortiert und eine spezielle Flüssigkeit zugefügt werden würde. Etwa zwei Stunden später sollten wir wiederkommen, dann stand der eigentliche Eingriff an: Auf einem gynäkologischen Stuhl liegend wurde das aufbereitete Sperma mittels eines Katheters direkt in die Gebärmutter gebracht. Ab dann hieß es sich zu schonen und abzuwarten.

Zwei Wochen später sollte ich einen Schwangerschaftstest machen und mich dann melden. Und, was soll ich sagen? Das Ergebnis dieses Nachmittags, der eigentlich einen Besuch bei meiner Freundin beinhalten sollte, ist jetzt zarte zwei Monate alt. Ich wurde beim ersten Versuch tatsächlich schwanger und dafür bin ich unendlich dankbar.


Ich teile unsere Geschichte hier in der Hoffnung, dass ich wenigstens einem Paar, einer Frau, mit unserer Geschichte die Hoffnung auf ein Kind zurückgeben kann.

Hallo du, alles Gute für dich & fühl dich gedrückt. Ich weiß, wie du dich fühlst & vergiss nie: Du bist nicht allein, auch wenn fast keiner drüber redet.

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Danke für deine Ehrlichkeit und deinen Mut, liebe Autorin. Ich freue mich sehr für euch und euer Glück zu Viert. Dass ihr einen Weg gefunden habt. Gemeinsam.

Wer Kontakt mit der Autorin, die gern anonym bleiben möchte, aufnehmen möchte, kann sich gern bei ihr melden. Sie hat die E-Mail-Adresse Kiwu-hoffnung@t-online.de eingerichtet und freut sich auf den Austausch.